Kunstblumen

Dienstag, 27. Oktober 2009

visionen - aus dem leben der hildegard von bingen

ich gehe eigentlich sehr selten kino und bin generell eine banausin, was filme anbelangt, aber nachdem ich eine hochinteressante radiosendung mit margarethe von trotta, der regisseurin des aktuellen hildegard von bingen-filmes, gehört habe, wollte ich mir den film unbedingt anschauen. das hätte ich mir sparen können. in der 40-minütighen radiosendung, wo von trotta zum film interviewt wurde, aber auch leute angerufen und mitdiskutiert haben, habe ich mehr erfahren, als in knapp zwei stunden film, der nicht nur etwas langatmig war, sondern auch kaum etwas nennenswertes geboten hat, was wohl hand in hand geht. der titel "visionen" ist schon einmal irreführend, weil es eigentlich nur um die tätigkeit hildegards als klosterchefin und das besonders innige verhältnis zu einer ihrer schülerinnen gegangen ist, wobei ich mich zu erinnern glaube, dass von trotta meinte, das sei in der form von ihr zumindest etwas ausgeschmückt.
die inhalte von hildegards visionen, die sie während des filmes schon ein paar mal ereilt haben, sind überhaupt nicht thematisiert worden, ihr medizinisches engagement wurde in zwei szenen kurz und eher plump angedeutet, ihre musikalische tätigkeit ist ein bisschen ausführlicher vorgekommen. ihre kirchenpolitischen aktivitäten, für die sie z.b. ihre "visionen" auch sehr gezielt eingesetzt hat, wie ich im radio erfahren habe, sind gar nicht und ihr intensiver kontakt mit bernhard von clairvaux, der für vieles in ihrem leben entscheidend war, ist nur in einem nebensatz erwähnt worden.

es wird im film dauernd gesagt, dass hildegard verehrt wird und charismatisch die leute anzieht (und das auch genießt). wenn man aber noch nie etwas von dieser frau gehört hätte, wäre das völlig unverständlich. eine problembeladene klostergründung kann's ja nicht sein. irgendwie hat der film es geschafft, alles, was an hildegard von bingen interessant ist - und das ist imho einiges -, auszuklamern. bezeichnend ist, dass ihr aufbruch zu einer predigtreise, was für eine frau eine sensation war, das ende des films bildet und man natürlich nichts darüber erfährt, was sie predigen will.

wirklich erfreulich an diesem film war barbara sukowa in der hauptrolle. hannah herzsprung als schülerin war auch gut, aber nicht so grandios wie in 4 minuten.

fazit: wenn man ein fan von barbara sukowa ist oder werden will, sollte man sich den film anschauen, sonst fällt mir kein grund ein.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Chalo! india

eine neue ära indischer kunst gibt's zur zeit im essl museum in klosterneuburg zu sehen, aber nur mehr bis 1.11., weswegen ich nur sagen kann: ranhalten.

ich war bei einer spezialführung für abonentInnen einer tageszeitung (freundlicherweise als begleitung eingeladen), weswegen ich noch eine ansprache eines museumskurators gehört habe, der berichtet hat, dass die ausstellung von einem japanischen museum übernommen wurde und man deswegen berücksichtigen muss, dass die kuratorin eine japanerin ist und die werke entsprechend ausgewählt seien. für seinen geschmack war offenbar zu wenig malerei dabei. das hat mich gleich geärgert, weil so eine werkauswahl immer subjektiv ist, egal ob (im fall des redners) ein deutscher oder eine japanerin das macht. besagte kuratorin hat mehrere monate in indien zugebracht, um die ausstellung zusammenzustellen. und ich fand das sehr liebevoll und klug gemacht. die ausstellung ist nicht überfrachtet, zeigt aber sehr unterschiedliche arbeiten in sehr verschiedenen techniken und stilen zu verschiedensten themen. und die künstlerInnen (ja, frauen sind auch ganz gut repräsentiert) kommen aus unterschiedlichen gebieten indiens.

ich fand eigentlich so ziemlich alles gut, was ich gesehen habe, aber ganz besonders mochte ich die stempelporträts von reena saina kallat. hier, hier und hier gibt es beispiele zu sehen. es handelt sich um fiktive porträts, die aus namensstempeln, die mit unterschiedlicher stempelfarbe eingefärbt sind, bestehen. auf den stempeln stehen namen von personen, die im rahmen der politischen unruhen in kashmir verschwunden sind.
sehr originell ist auch ein kunstwerk, das das "skelett" eine riksha darstellt, um festzuhalten, dass dieses transportmittel im aussterben begriffen ist.

vereinzelt gab es auch feministische kunstwerke, wie die selbstdarstellung als lakshmi von pushpamala n. (ausschnitt hier) oder dieses:

auf einer wand waren zitate von indischen künstlerInnen gesammelt, die den satz "indien tritt zum publikum gewandt auf und betritt das zeitalter..." fortsetzen. die schriftstellerin und verlegerin urvashi butalia sagt :

indien tritt zum publikum gewandt auf und betritt das zeitalter der verzweiflung. indien blickt auf das meer von männlichen köpfen vor ihr und denkt, wir kämpfen seit jahrtausenden, und die idioten haben noch immer nicht gelernt, uns zu respektieren. sie wendet sich an ihre beraterin kali und sagt: "schwester, ich glaube, es ist zeit, ihnen die köpfe abzuschlagen. Deine Halskette könnte jedenfalls Auffrischung vertragen.

leider war nach der führung, die ich als recht hastig (wenn auch durchwegs engagiert)erlebt habe, keine zeit mehr, nocheinmal alles in ruhe anzuschauen, weil der shuttle-bus nach wien schon gefahren ist. trotzdem spreche ich eine ganz große empfehlung für diese ausstellung aus.

Dienstag, 20. Oktober 2009

waldmüller im belvedere

da ich auch die kunst ganz allgemein quer mag, habe ich letztens ein wenig gebiedermeiert, indem ich die waldmüller-ausstellung im unteren belvedere gerade noch erwischt habe. denn eigentlich wollte ich schon den ganzen sommer hin. meine eltern auch, also haben wir uns am vorletzten tag der schau aufgemacht. leider ist das auch einer menge anderer leute eingefallen, so dass das gedränge vor den bildern immens war. zudem sind die gemälde eher klein und detailverliebt. also muss man wirklich nahe hingehen, um etwas zu sehen. aber was es zu sehen gibt, ist wirklich atemberaubend. ich mag die vielen details, die es zu sehen zu sehen gibt und finde es großartig, wie waldmüller licht und stimmungen auf die leinwand bringt. ich weiß auch nicht, wer sonst noch bäume so beeindruckend malt. es ist auch selten, dass man in einer ausstellung das gefühl hat, dass alle besucherInnen völlig fasziniert sind.

was das schloss betrifft, ist zu bemerken, dass der garten fertig renoviert sein dürfte bzw. überhaupt wieder existiert. leider war das wetter nicht besonders einladend.
meine mutter, die schon seit jahren nicht mehr im belvedere war, war völlig hingerissen von dem blick, den man von unten durch den garten auf das obere (haupt-)schloss hat. da war mir mal wieder bewusst, wie ignorant man wird, wenn man öfter kulturell motiviert durch wien düst, obwohl man es ja gerade da nicht sein sollte.

Samstag, 26. September 2009

Needcompany

die aktuelle theatersaison hat avantgardistisch begonnen. während die große einstandspremiere für die neue burgtheaterdirektion so richtig klassisch und monumental die beiden goetheschen fäuste waren, haben meine stetige kulturkomplizin frau wichtelmädchen und ich uns für die aktuellen "artists in residence" - auch eine neueinführung - entschieden und uns zwei abende zu gemüte geführt.

1. needlapb 16 im akademietheater

eigentlich haben wir ja mit einer tanzperformance gerechnet, weil uns grace ellen barkey, eine der masterminds der needcompany, vom impulstanz-festival ein begriff ist, und waren sehr erstaunt, als wir mit einem völlig tanzfreien theaterabend des zweiten masterminds jan lauwers konfrontiert waren.
zuerst einmal war es sehr befremdlich, dass das sonst eigentlich immer zum bersten volle akademietheater zumindest halbleer war und wir vom balkon ins parkett geschickt wurden, wo wir dann ganz vorne saßen und uns wunderten, warum für ein tanzstück eine tischreihe auf der bühne steht. an den tischen nahmen schließlich die schauspielerInnen platz und jan lauwers erläuterte dann das konzept des ganzen. es sei teilweise improvisiert und es ginge darum, dass eine filmcrew einen actionfilm dreht und man die filmcrew und ihre interaktionen sowie filmszenen zu sehen bekommen werde. und damit das publikum interaktiv eingebunden wird, würden, weil das filmcrewsetting tw. in einer bar spielt, cocktails serviert. schließlich machte er noch einführende bemerkungen zu den charakteren im stück und dann begann genau das, was er beschrieben hatte, wobei die schauspielerInnen zumeist an den tischen saßen und dort mit ein paar requisiten hantierten. das geschehen auf der bühne wurde mit zwei kameras gefilmt und das gefilmte auf einer leinwand hinter den tischen gezeigt, so dass man, weil man ja nicht die bühnenbreite tischreihe im gesamten anschauen konnte, auch zu sehen bekam, was die charaktere machten, bei denen gerade nicht die hauptaction war. gespielt wurde von den multinationalen schauspielerInnen auf englisch und französisch, aber es gab deutsche übertitel.
besonders beeindruckt hat mich die schauspielerische leistung, weil ich mir vorstelle, dass es schwieriger ist, einen vielfältig agierenden charakter an einem tisch sitzend zu kreieren, als selbiges zu tun, wenn man sich im bühnenraum bewegen kann.
sonst fand ich das konzept offengestanden interessanter als die umsetzung. v.a. hätte das ganze nicht 3,5 stunden dauern müssen. fad war's nicht direkt, aber es hatte schon seine längen und war von der handlung her auch nicht rasend interessant.
etwas irritierend fand ich auch, dass es eine erzählerin gab, die halt die story vortrug und man im anschluss auf der bühne genau das sah, was sie gerade erzählt hatte.

die ersten beiden stunden lang wurden auf der hinterbühne tatsächlich cocktails hergerichtet, und über dem theater schwebte ein angenehmer erdbeerduft. in der pause servierten schauspielerInnen und regisseur, der auch die ganze zeit auf der bühne war, die mixturen dem publikum. UND es gab sogar eine alkoholfreie version - "pinky drinky". von selbiger kann ich sagen, dass sie sehr lecker war und neben erdbeerirgendwas zumindest auch kandierten ingwer enthielt. zufällig in intuitiver vorahnung hatte ich eine dose erdnüsse dabei, so dass frau wichtelmädchen und ich sehr leicht in das vom stück intendierte bar-feeling fanden. ;-)

2. isabella's room in der burg

... begann einmal recht sportlich, weil die oberen 3 ränge gesperrt waren und das publikum auf parkett und 1. rang verteilt wurde. selbiges teilte uns aber nicht der billeteur mit, der am eingang unsere karten abriss, sondern sein kollege vom 3. rang, als wir dort keuchend ankamen, der uns zum 1. mittelrang schickte, wo ich noch nie auf anhieb hingefunden habe. also ging es treppab und mehrfach auch wieder treppauf, bis wir dort waren, wo wir hinsollten. jedes mal, wenn wir billeteurInnen trafen (publikum war übrigens keines zu sehen, wir hatten alle gänge und das sonst stets übervölkerte bilderfoyer für uns allein), bekamen wir neue wegbeschreibungen, die uns überall hinführten außer zum 1. mittelrang. aber irgendwann gelang es uns dann doch und wir saßen auch fein in der ersten reihe.

anfänglich erinnerte alles an needlapb16 : es waren wieder alle schauspielerInnen auf der bühne, ian lauwers erklärte das stück und stellte die charaktere vor. gespielt wurde wieder auf englisch und französisch mit deutschen übertiteln. diesmal handelte es sich um eine art avantgardistisches musical, d.h. es wurde auch viel gesungen und atembraubend getanzt. dafür gab es keine cocktails. witzig war, dass es darstellerinnen für die rechte und die linke gehirnhälfte der protagonistin sowie einen darsteller für ihre erogenen zonen gab. DAS hab ich SO noch nie gesehen *ggg*. die story (isabellas leben) fand ich ziemlich schwach, wenn auch actionreich und skurril, aber weitaus straffer erzählt als bei needlapb 16. "erzählt" passt übrigens gut, weil eben wieder wieder die handlung szenenweise erzählt und dann gespielt wurde, was mich auch diesmal irritiert hat, frau wichtelmädchen hingegen gut fand. geschmäcker sind halt verschieden.
das publikum war diesmal völlig enthusiasmiert, was mich höchst erstaunt hat, weil es im akademietheater angemessenen durchschnittsapplaus gab.
mir persönlich hat isabella's room auch besser gefallen, weil ich musik und tanz mochte, das ganze mehr inhalt in weniger zeit geboten hat und weil die hauptdarstellerin, der die rolle sichtlich auf den leib geschrieben war, unglaublich grandios war. die arme musste den ganzen abend auf waffenscheinpflichtigen stilettos herumstöckeln, hat sie aber dann nach dem ersten verbeugen ausgezogen und kam dann mit ein paar tänzelnden schritten, die befreite füße andeuteten, auf die bühne zurück, was ich sehr sympathisch fand.

irgendwie war ich gestern etwas unzufrieden, als ich in heftiger diskussion mit meiner begleiterin zur u-bahn getrabt bin, weil ich zwar einen netten theaterabend hinter mir hatte, aber nicht mehr und nicht weniger und deswegen vermutlich etwas überkritisch war. heute denke ich mir, dass das wahrscheinlich mein vermutlich höchst bornierter, kunstliberal bildungsbürgerlicher zugang zum avantgardetheater ist, dass ich eigentlich wild begeistert sein will (will ich grundsätzlich, wenn ich ins theater gehe) und wenn das schon nicht geht, das stück wild verreißen möchte. also habe ich beschlossen, mich an der nase zu packen und auch unkonventionellerem theater zuzugestehen, einfach ganz nett zu sein und es schulterzuckend dabei zu belassen.

was ich an beiden stücken sehr mochte war sozusagen der beweis, dass auch sprechtheater inter- und multinational sein kann. das mit den übertiteln hat super funktioniert und das theatererlebnis war für mich nicht dadurch gemindert, dass ich bei den französischen passagen völlig aufs lesen angewiesen war.
besonders in wien und besonders im burgtheater, wo es seit jahrzehnten klagen gibt, dass jedeR deutsche schauspielerIn auf der burgbühne ein schritt zum untergang der kulturnation ist, find ich es einfach nur toll und gut und richtig, wenn aufführungen sprachlich aus dem raum treten.

matthias hartmann, der neue direktor, war übrigens bei beiden vorstellungen anwesend und saß beide male irgendwo mitten im parkett unter den leuten und nicht prominent vorne, was mir auch gefallen hat.

Dienstag, 15. September 2009

IMPRESSIONISMUS - wie das licht auf die leinwand kam (albertina)

kurz und bündig kann ich nur sagen: unbedingt hingehen

die ausstellung bietet nicht nur alle großen namen und grandiose bilder. sie ist auch wirklich gut gestaltet. den wichtigsten künstlern werden eigene räume gewidmet, zusätzlich gibt es aber auch räume, die sich hauptsächlich mit technischem beschäftigen. z.b. was war nötig, damit malen im freien überhaupt möglich wurde. so wurde z.b. die tubenfarbe und pinselzwingen neu erfunden. es gibt wirklich viel, sehr angenehm aufbereitete hintergrundinfo. die ausstellung geht noch ein gutes stück über den impressionismus hinaus und zeigt auch einflüsse dieser stilrichtung auf maler wie toulouse-lautrec, braque und picasso.
das ausmaß des ganzen ist gigantomanisch, und man sollte halbwegs ausgeruht sein. besonders, wenn man seelisch auf sonstige albertina-ausstellungen eingestellt ist, wird man erstaunt sein, mit mindestens dem doppelten ausmaß an räumen und werken konfrontiert zu sein. die ausstellung ist aber so gut aufgebaut und so toll bestückt, dass man sich über jeden weiteren raum freut.

... sinnlich, weiblich, flämisch - Frauenbilder rund um Rubens (khm)

dass ich von dieser ausstellung etwas enttäuscht bin, liegt v.a. an meienr mangelnden bildung. ich dachte, das sei eine größere rubens & zeitgenossen-schau mit fokus auf frauendarstellungen. weit gefehlt. es handelt sich um das erste "intermezzo". das ist eine neue reihe, die immer unter einem bestimmten thema exponate der eigenen sammlung in einem raum präsentieren. hätte ich das gewusst, hätte ich eine woche gewartet und mir die kleine mit der soeben eröffneten großen ausstellung gemeinsam angeschaut. 10 euronen für die paar bilder schmerzen...

werbeträgerin für die ausstellung ist rubens' pelzchen, ein porträt seiner frau helena. eine wichtige fragestellung ist, wie sehr werden die frauen auf den bildern objektiviert. den zahlreichen bildern von männlichen künstlern wir das bacchanal von michaelina woutiers gegenübergestellt, wo eine frau keck aus dem bild heruasschaut.
gar nicht einig waren meine begleiterin und ich uns in sachen cimon und efigenia von rubens nach der novelle von boccaccio. ich finde die nackten schlafenden frauen auf dem bild völlig zu (lust-)objekten degradiert, weil sie sowohl von den betrachterInnen als auch von cimon nur angestarrt werden und weil sie schlafne, nicht einmal irgendwo hinschauen. meine begleiterin hingegen fand, dass in cimons blick neben geilheit auch noch die aufkeimende liebe zu efigenia spüren würde, was alles die vergegenständlichung abmildern würde.

thomas ruff: oberflächen, tiefen

für die fotoausstellung in der kunsthalle hatte frau wichtelmädchen freikarten und hat mich liebenswürdigerweise eingeladen - mehr als freikarten war die sache auch nicht wert. ich fand die meisten bilder von haus aus schon nicht wahnsinnig aufregend und viele konzepte einfach von zeit und technischer entwicklung überlebt (z.b. überlagerte porträts). im gesamten war's ein bisschen fad, aber es waren schon auch ein paar nette bilder dabei.

Der eiserne vorhang in der staatsoper

wäääh... ich hab grad einen langen beitrag über die vier ausstellungen verfasst, die ich in den letzten wochen gesehen habe, dann hab ich - fast fertig - irgendwas blödes angeklickt und alles war weg. also alles nochmal *frust* und sicherheitshalber einzeln.

der eiserne vorhang der wiener staatsoper wurde von dem maler rudolf hermann eisenmenger geschaffen, der politisch wegen seiner mangelnden distanz zum natiolsozialismus nicht unumstritten ist. initiativen zur übermalung seines bildes schlugen nicht zuletzt wegen des protests des bundesdenkmalamtes fehl, aber seit 1999 gibt es eine sehr österreichische lösung: der eiserne vorhang wird jede spielzeit mit einem anderen kunstwerk von renommierten zeitgenössischen künstlerInnen verhängt. das diesjährige bild stammt von franz west und heißt: drei - vom vorhang ins temperament

eisener vorhang franz west

offengestanden ist es nicht mein lieblingsvorhang, aber die führung war trotzdem extrem spannend. eine mitarbeiterin des museum in progress, das das projekt durchführt und dessen konzept mir generell sehr sympathisch ist, präsentierte alle bisherigen vorhänge und erläuterte die ideen dahinter. außerdem erzählte sie von problemen und pannen bei der herstellung und befestigung der bildung - die kunstwerke werden auf 3 stoffbahnen gedruckt, die dann verschweißt und mit magneten befestigt werden. anschließend gab es den aktuellen vorhang von der noblichen mittelloge aus zu bewundern und schließlich wurde er noch hochgefahren, damit wir auch noch diesen sinnes- und kunsteindruck genießen konnten.

meine lieblingsvorhänge sind die von richard hamilton, rosemarie trockel, kara walker, rirkrit tiravanija sowie Michael Elmgreen & Ingar Dragset. die links führen zu den bildern, alle vorhänge sind hier zu sehen.

Sonntag, 9. November 2008

NACH 1970 - ÖSTERREICHISCHE KUNST AUS DER ALBERTINA

es ist schon ein weilchen her, dass ich dort war, aber heute wurde ich daran erinnert, dass ich noch nicht darüber berichtet habe. die albertina hat nämlich ihre ausstellungsfläche verdoppelt und die neu adaptierten räumlichkeiten (ich finde die beleuchtung recht beeindruckend) mit österreichischer kunst der letzten 40 jahre aus der eigenen sammlung bestückt. das ergebnis ist ein who is who der österreichischen kunst und äußerst sehenswert, obwohl mir vieles auch nicht gefallen hat. also wer zu vangogh geht, sollte diese ausstellung miteinplanen.
mein großer kritikpunkt an der ausstellung wie wohl auch an der sammlungspolitik der albertina ist die männerlastigkeit, die für diesen zeitraum nicht zu rechtfertigen ist. nur 6 frauen unter 33 künstlerInnen ist eine schande.
besonders gefreut habe ich mich, einige arbeiten von adriana czernin wiederzusehen, die ich vor ein paar jahren eh in der albertina entdeckt habe, wiederzusehen. zwischen ihren zeichnungen und mir hat's einfach gefunkt. *g* - ach ja, da fällt mir ein, dass sie damals in einer ausstellung zu sehen waren, die "7 österreichische künstlerinnen" osä. hieß und in einem minikleinen raum untergebracht war. warum jetzt auf 2000 m2 nur 6 frauen platz haben, bleibt ein rätsel...

schade finde ich auch, dass es im shop außer dem katalog nichts zu dieser ausstellung gab, nicht einmal von czernin, die das plakat-testimonial stellt. dabei hätte ich ja nur gerne eine postkarte gehabt!

Dienstag, 4. November 2008

maxim gorki: kleinbürger

eigentlich haben frau wichtelmädchen und ich und nur deswegen entschlossen, weil das burgtheater schon die ganze saison nur stücke spielt, die wir schon gesehen haben und wir unter entzugserscheinungen litten. denn bisher hat uns gorkis stück kleinbürger, das schon seit zwei jahren gespielt wird, nicht besonders angezogen, und ich bin mir nicht sicher, ob mich mein instinkt getrogen hat oder nicht.
frau wichtelmädchen hat das stück sehr ergriffen und ich muss gestehen, dass es teilweise atemberaubend treffsicher und aus dem leben gegriffen war, obwohl es schon 107 jahre auf dem buckel hat. menschen, familien und kommunikationsmechanismen ändern sich offenbar nicht. und manche sätze hätte man mitschreiben mögen. dennoch waren die zwei stunden gefühlte vier, weil es zwischendurch nach meinem empfinden sinnleere längen gab. die inszenierung war recht chaotisch. irgendwie hat sogar mich begnadete messie das bedürfnis erfasst, mal aufzuräumen, weil darstellende, unmengen von sesseln und multifunktionale brettkonstruktionen herumgestanden sind und -geschoben wurden, was irgendwie ein unfertiges bild ergab. die schauspielerischen leistungen waren gut und gediegen, nur dietmar könig hat mir nicht gefallen, wahrscheinlich, weil ich sein timbre nicht besonders mag. martin schwab hat gespielt wie martin schwab in jeder rolle spielt, was ja durchaus fein ist und christiane von poelnitz war völlig unterfordert - wohl abgesehen von der eindrucksvollen blutspuckorgie, die sie liefern musste. frau wichtelmädchen bewegte das in anlehnung an den gott des gemetzels zu dem statement: "die arme muss wohl jetzt in jeder rolle speiben."
hervorzuheben ist joachim meyerhoff, der wirklich immer brilliert, egal, was er spielt, und so auch hier. seine auftritte waren den theaterbesuch allemal wert.

Queerbeets bunte Blüten

Life is not a problem to be solved but a mystery to be lived.


wm6

Wer wandelt durch den Garten?

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BesucherInnen

*looool*
was für eine schöne Geschichte :-) Danke...
baerin - 29. Okt, 21:33
unter umständen...
unter umständen ist das lila blau interpretiertbar,...
queerbeet - 28. Okt, 00:19
da hast du recht. natürlich...
da hast du recht. natürlich handelte es sich eher...
queerbeet - 28. Okt, 00:14
Die Wiener weibliche...
was wann gebraucht wird! Ein eindrucksvoller Beweis! Der...
Wichtelmaedchen (Gast) - 27. Okt, 23:13

queerbeet unterwegs

unter umständen...
unter umständen ist das lila blau interpretiertbar,...
queerbeet - 28. Okt, 00:19
da hast du recht. natürlich...
da hast du recht. natürlich handelte es sich eher...
queerbeet - 28. Okt, 00:14
zumindest ist das ein...
zumindest ist das ein augenschmaus ;-)
eidechse - 20. Okt, 01:03
ad 5: ich auch ad 7:...
ad 5: ich auch ad 7: mit diesem thema muss die menschheit...
amanleian - 20. Okt, 00:29
danke für den award! mit...
danke für den award! mit punkt 5 und 6 kann ich...
baerin - 20. Okt, 00:16

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