Mittwoch, 19. November 2008

schönes gratis 16: vom topfenkäse - dialekte & regionale eigenheiten

ich hab schlicht und ergreifend große freude daran, mir unterschiedliche dialekte und ihre eigentümlichkeiten anzuhören und zu vergleichen. damit geht für mich auch eine gewisse faszination für regionale eigenheiten aus anderen bereichen einher. manches finde ich sehr eigenartig, wie etwa den oberö "hümmmmmi" (himmel), der einer derzeit dauernd aus dem werbefernsehen entgegenschallt, das meiste aber total entzückend.

der aktuelle anlass - klein, aber fein - für diesen beitrag ist der "topfenkäse", den meine aus dem mostviertel (niederö) stammende ex-liebsteste letzthin für mich zubereitet hat. nun hab ich dieses wort schon öfter aus ihrem wunderschön gepflegtes hochdeutsch sprechenden mund vernommen und es bislang für eine ex-liebstesten-familieninterne bezeichnung für eine pikante topfensauce oder einen topfenaufstrich - ach ja, topfen ist österr. für quark - gehalten. weit gefehlt!
frau meisterköchin (nicht ironisch gemeint!) bat mich nämlich, "topfenkäse" zu googeln, da sie sich über das ideale mischverhältnis von topfen und joghurt im unklaren war. das ist übrigens ein sinnloses unterfangen, da offenbar jedeR dieses gericht komplett anders macht. jedenfalls war der erste link, auf den ich gestoßen bin, dieser hier, aus dem hervorgeht, dass topfenkäse offenbar eine nö spezialität ist, deren bekanntheit exakt an den wiener grenzen halt macht, wie die karte zeigt: wien ist der weiße klecks in der blauen fläche (nö). wohl machen wir wienerinnen auch allerlei saucen und aufstriche, indem wir topfen mit anderen milchprodukten abrühren und irgendwie würzen - das macht mensch sicher überall -, aber wir haben keinen namen dafür und obwohl ich en stadtrandkind bin, ist mir das wort völlig fremd.

was mich besonders entzückt, ist die auf dieser website vorgeschlagene aussprache "dopfakas", v.a. das a nach dem pf ist für eine wienerin sehr lustig und typisch "gschert". ex-liebsteste bestätigte die aussprachevariante mit muttersprachlicher kompetenz, indem sie meinte: "ja, unbedingt. mit weichem d, a und einem ordentlichen pf".
und ich ergänze nach gehör, um das klangbild abzurunden: das o ist auch noch lang (wie in "ofen").

ups!

jetzt hat es mich auch erwischt, das stöckchen, und zwar hat selket es nach mir geworfen:

Der Werfer/die Werferin postet acht zufällige Dinge über sich selbst,
· wirft das Stöckchen an acht Leute weiter,
· die ebenfalls acht Dinge über sich selbst posten
· und es weiter werfen.

1. ich zittere, dass es bis übernächstes wochenende nicht friert, weil ich bis dahin keine zeit habe, die frostempfindlichen planzen, die noch draußen stehen, einzuwintern
2. ich liebe ö1 und fange viele gesprächsthemen mit "ich habe im radio gehört, dass..." an
3. ich bin ein cola light-junkie
4. ich habe am montag zum ersten mal lila erdäpfel gegessen
5. ich sammle (ohne ehrgeiz, aber doch) verschiedene minzen
6. ich schreibe gerne mit füllfeder
7. ich habe noch nie meine haare gefärbt
8. ich finde nicht wirklich zugang zum magischen gebrauch von runen

nachdem ich nicht weiß, wer das stöckchen noch nicht hatte, möge es fangen, wer möchte

warteschleifenmusik

seit heute hab ich eine diesbezügliche favoritin: "we are the world" in einer extrakitschigen schmalzversion version panflöteimitierendem keyboard (schätz ich mal). und das alles bei der wiener gebietskrankenkasse, was ich ob der songwahl recht erheiternd finde.

Samstag, 15. November 2008

obama

jetzt muss ich zu diesem thema doch auch noch senfen. die bärin hat auf ihrem blog einen link zu einem interview, in dem ein gewisser webster tarpley, der historiker ist, aber nicht geschichte studiert hat, die welt darüber informiert, dass hinter obama ein fieser typ steht (name ist mir entfallen), der den dritten weltkrig plant (oder eher schon beschlossen hat), indem er china und russland unter beteiligung einer menge krisenherde dieser welt gegeneinander ausspielt. ich vereinfache jetzt grob. als bekennender krimifan mag ich auch diese weltverschwörungstheorien, in denen sich immer alles einfach, präzise, lückenlos und schlüssig erklären lässt, eines zum anderen führt und unausweichlich in der totalkatastrophe endet. vermutlich, weil die chinesischen und russischen geheimdienste tarpleys bücher nicht lesen und youtube nicht kennen und deswegen keine ahnung haben, wie sie manipuliert werden. wobei, wenn ich es so recht überlege, putin wird seit einem jahr oder so auch imer usa-feindlicher...

als ich den link angeklickt habe, war ich aber noch ganz aufgeregt, weil ich mir gedacht habe, ich werde endlich darüber informiert, wer hinter obama steht. der orf, stressbedingt zur zeit mein einziges infomedium, versteht unter auslands-politischem journalismus ja bekanntlich zusammenzufassen, was auf cnn & co läuft, aber ja nichts zu hinterfragen. so wurde in der us-wahlberichterstattung in jeder nachrichtensendung eine andere fantastilliardensumme genannt, die obamas wahlkampf gekostet hat und dass so viele kleine leute in hoffnung auf ein bessres leben etwas gegeben haben und wenn es nur 5 dollar waren. die übliche spendenromantik halt. aber mich interessiert seither schon brennend, wer die milliarden wirklich aufgebracht hat.

und so nebenbei bin ich manchmal eine sehr altmodische feministin und denke an die uralterkenntnis zurück, dass, bevor eine frau an die macht kommt, eine patriarchale gesellschaft noch eher ihren rassismus (kurzfristig) überwindet. - nur so nebenbei.

natürlich freu ich mich, dass nicht mccain gewonnen hat. aber ob obamas sieg eine gute sache ist oder das ganze eine wahl zwischen pest und cholera war - keine ahnung.
wer obama außer der personifikation des amerikanischen traums ist und wofür er wirklich steht, hab ich noch nicht gehört. und hagiographische berichterstattung über einen politker, noch dazu den weltweit mächtigsten, ist mir grundsätzlich zuwider. dass einer ein guter redner ist und in seiner kampagne keine fehler macht, spricht noch nicht für ihn, nur für seine spindoktoren und pr-leute.

was heißt "change"? nichts.
und "yes, we can" heißt imho genau dasselbe. eine freundin von mir fühlte sich dabei an eine parole von bob dem baumeister erinnert. ich dachte spontan an den satirischen roman "abenteuer einer künstlichen frau" von thomas berger, in dem die titelfigur mit dem slogan "alles wird gut" als einzigem programmpunkt präsidentin der usa wird.

das spricht alles nicht gegen obama, sondern eher gegen die medien, aber wir werden voll der hoffnung, die der designierte us-präsident der welt bekanntlich gibt, sehen, wie es weitergeht.

Montag, 10. November 2008

kann mir bitte jemand erklären,

warum dieser teil einer comedyshow im orf



dazu führt, dass einem mitarbeiter der künstler in kärnten die autoreifen aufgestochen werden und politisch hinterbliebene vom jörgler ein auftrittsverbot für stermann & grissemann in klagenfurt erwirken wollen?

soll ich mich jetzt giften über das demokratie- und kunstverständnis des bzö und der fpö, das zu haiders lebzeiten auch kein anderes hatte und damit eh immer schon so war, weswegen ich schon seit meiner teenagerzeit zu diesem thema gift und galle spucke? oder soll ich angst haben, weil diese partei auch mit im nationalrat vertreten ist und zwar mit plitikerInnen, die augenscheinlich auch nicht intelligenter sind als die kärntner fraktion, die nich erkennt, dass es sich nicht um pietätlose verarschung eines soeben verstorbenen handelt (womit ich in diesem fall auch gut leben könnte *hüstel*), sondern um kabarettistische aufarbeitung der diversen pathos- und tränentriefenden trauerinszenierungen, mit denen mensch in den letzten wochen so beglückt wurde?

ich wollte eigentlich nichts schreiben zu haiders tod. er ist gestorben wie er gelebt hat - in gnadenloser selbstüberschätzung. und ich kann den verlust verschmerzen. ich bin nur froh, dass diese wahnsinnsfahrt keine weiteren opfer gefordert hat. und ich bin eigentlich kein fan von stermann & grissemann, aber ich fordere derartige satiren in gehäuftem maße zu den besten sendeplätzen ein. nach den ganzen schleimscheißereien brauch ich das dringend für mein politisches seelenheil, gerne mit demselben taktgefühl und der noblen wertschätzung der integrität anderer menschen, für die der teure verstorbene so berühmt war.

Sonntag, 9. November 2008

NACH 1970 - ÖSTERREICHISCHE KUNST AUS DER ALBERTINA

es ist schon ein weilchen her, dass ich dort war, aber heute wurde ich daran erinnert, dass ich noch nicht darüber berichtet habe. die albertina hat nämlich ihre ausstellungsfläche verdoppelt und die neu adaptierten räumlichkeiten (ich finde die beleuchtung recht beeindruckend) mit österreichischer kunst der letzten 40 jahre aus der eigenen sammlung bestückt. das ergebnis ist ein who is who der österreichischen kunst und äußerst sehenswert, obwohl mir vieles auch nicht gefallen hat. also wer zu vangogh geht, sollte diese ausstellung miteinplanen.
mein großer kritikpunkt an der ausstellung wie wohl auch an der sammlungspolitik der albertina ist die männerlastigkeit, die für diesen zeitraum nicht zu rechtfertigen ist. nur 6 frauen unter 33 künstlerInnen ist eine schande.
besonders gefreut habe ich mich, einige arbeiten von adriana czernin wiederzusehen, die ich vor ein paar jahren eh in der albertina entdeckt habe, wiederzusehen. zwischen ihren zeichnungen und mir hat's einfach gefunkt. *g* - ach ja, da fällt mir ein, dass sie damals in einer ausstellung zu sehen waren, die "7 österreichische künstlerinnen" osä. hieß und in einem minikleinen raum untergebracht war. warum jetzt auf 2000 m2 nur 6 frauen platz haben, bleibt ein rätsel...

schade finde ich auch, dass es im shop außer dem katalog nichts zu dieser ausstellung gab, nicht einmal von czernin, die das plakat-testimonial stellt. dabei hätte ich ja nur gerne eine postkarte gehabt!

Mittwoch, 5. November 2008

schönes gratis 15: schafe

in der gasse, in der ich wohne, gibt es einen bauernhof, auf dem manchmal ein paar schafe (in veränderlicher anzahl) wohnen. an denen geh ich immer vorbei, wenn ich einkaufen gehe. heute waren es zwei. ich mag das, wenn sie da sind und mich manchmal sogar anblöken, auch wenn ich gegen den vorschlag meiner ex-liebstesten nicht zurückblöke, weil ich ja nicht schäfisch kann und nicht unfreundlich sein will.

vor einiger zeit habe ich, als ich vom einkaufen zurückgekommen bin, ein blöken auf der falschen straßenseite gehört. irritiert habe ich mich umgeschaut und gesehen, dass da ein mann stand, der quer über die straße die schafe anblökte - für menschliche ohren sehr originalgetreu. das tat er so lange, bis die schafe - damals waren es ca. 7 oder 8 - zum zaun kamen und auch zu blöken begannen. dann ging er zu ihnen hinüber und sagte: "naaa, es stinkerten viecher, i streichl eich net!"

just do it!

ich höre gerade eine radiosendung über ida pfeiffer, die weltreisende aus dem biedermeier. da wurde berichtet, dass sie für eine reiseetappe reiten können musste und vorher gefragt wurde, ob sie das könne, und sie hat es bejaht. auf der reise hat sie es dann gelernt, ist vom pferd gefallen, ihre männlichen reisegefährten haben auch nicht unbedingt rücksicht genommen.
diese haltung sollte frau sich und ich mir gelegentlich hinter die ohren schreiben.

Dienstag, 4. November 2008

ich teste mich mal wieder ;-)

das bin ich als politischer mensch aus amerikanischer sicht - gefunden bei caroona:

Dein wahres politisches ICH:
Du bist ein
Sozialliberaler (81% permissive)
und ein...
Wirtschaftsliberaler (25% permissive)

YAm besten beschreibt man dich als einen:
überzeugter Demokrat

Du zeigst einen sehr gut ausgeprägten Sinn für Richtig und Falsch und glaubst an wirtschaftliche Gerechtigkeit.

den test gibt's hier

außerdem bin ich ein cocktail, manchmal gerührt, manchmal vielleicht auch zum schütteln ;-)


The Recipe For queerbeet

3 parts Boldness
2 parts Sass
1 part Style

Splash of Impishness

Chug!

gefunden bei singlilli

die wiener seele teil II: gott sei bei mir oder der billeteur

billeteurInnen sind generell eine species, die ich zu meiden versuche, da ich bzw. das liebe wichtelmädchen, meine stetigste theaterbegleiterin, meistens mit rucksack, laptop und 1000 sackerln bepackt ins theater kommen, und man den den ganzen krempel eigentlich an der garderobe abgeben sollte, sofern man keine loge hat. ich sehe aber überhaupt nicht ein, dass man, wenn garderobenpflicht besteht, dafür auch noch zahlen soll, manchmal sogar pro stück, und fühle mich als nicht-auto-besitzerin diskriminiert. also mogeln wir uns lieber an den tw. bestimmt beamteten autoritäten des theatersaals vorbei. außerdem finden wir unsere plätze normalerweise auch selber.

manchmal ist so eine begegnung aber unausweichlich, z.b. wenn man im burgtheater eine loge am dritten rang hat. die buche ich eh nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, weil man vom ersten oder zweiten rang besser sieht. wenn man keuchend die stufen zum dritten rang erklommen hat, wird man meistens schon am stiegenende von IHM begrüßt. ER ist nicht nur ein faktotum, sondern bestimmt in wahrheit ein gespenst, das dort schon seit der eröffnung des hauses im 19. jh. herumspukt. dass ER frau wichtelmädchen und mich offenbar immer wiedererkennt, wenn wir einmal im jahr dort oben sitzen ist zwar auch schon gespenstisch, aber noch nett. wir werden also begrüßt, zu unserer loge begleitet, dort wird uns die tür aufgehalten. gut. aber dann geht's los... ein programmheft wird uns angeboten. ich lehne ab. er regt sich auf, weil so ein programm unbedingt nötig ist zum verständnis des stücks und dieses jene welche überhaupt besonders gut ist. ich erkläre unverblümt, dass ich es doch nie lesen würde. ER wird - im rahmen dessen, was so einem ehrwürdigen theatergeist erlaubt ist - cholerisch und spricht uns quasi jegliche intelligenz ab, weil so ein programm der schlüssel zu jedem stück sei und man ohne dessen lektüre gar nichts verstünde. dann könne ich die schlüssel zu meiner wohnung auch gleich wegschmeißen ich ignoriere diese hatscherte analogie, hebe eine augenbraue und meine, dass ich diese hefte selten aufschlussreích gefunden habe. darauf er, folgerichtig: "des kennan's a net, wann's as nie lesen."
ich beende die fruchtlose debatte mit schulterzucken (mein intellektuelles selbstbewusstsein ist groß genug) und fange an, mich meines schals zu entledigen. ER greift zum kleiderbügel. ich knöpfe mein jacke auf, will IHM den kleiderbügel abnehemen. ER hält ihn mit (für so einen zarten alten mann erstaunlich) eisernem griff fest und sagt bestimmt: "na, des moch i scho." an und für sich bin ich schon ein großes mädchen und kann meine jacke selber aufhängen, aber bitte. nachdem ER auch des wichtelmädchens samtenen mantel auf einen bügel und schließlich auf einen garderobehaken bugsiert hat, wünscht ER "den damen" einen schönen abend, zieht sich zurück und schließt die tür. frau wichtelmädchen und ich haben gerade noch zeit, einmal synchron durchzuatmen und die augen zu verdrehen, da klopft es an der tür. das gespenst vom dritten rang erklärt uns freundlich, aber bestimmt, dass wir, falls wir sie noch nicht gesehen haben, uns doch die neuen bilder anschauen sollen. wir müssten aber gleich gehen, weil es keine pause gibt. es wäre noch genug zeit. ich spüre, dass die wichtelmädchensche aura neben mir genau so voll fragezeichen ist wie meine und frage schüchtern, um welche bilder es gehe. nun endgültig zur banausin abgestempelt bekomme ich die antwort "na die neichen schauspielerbüder". ich sage artig, dass wir uns die gerne anschauen wollen und bedanke mich, ER bleibt erwartungsvoll stehen, bis wir die loge verlassen.
wir suchen aber zuerst einmal aufgrund gewisser dringlichkeiten eine örtlichkeit ohne bilder auf und begeben uns anschließend wieder richtung loge. ER ist nirgends zu sehen. aber wie geister das so können, steht ER auf einmal neben uns, just als wir die logentür öffnen wollen und sagt etwas gekränkt: "wolln's erna net die büder anschaun." ich - voll des schlechten gewissens - frage, wo sich selbige denn befinden. ER schaut drein, als hätte ich IHN in eine besonders empfindliche stelle getreten (obwohl das gespenstern eigentlich nichts ausmachen dürfte) und sagt nach einmal durchatmen mit letzter beherrschung: "na in der galerie im ersten stock."
zugegeben waren die bilder wirklich sehenswert - wir sind natürlich sofort hingestürmt. bei der rückkehr zur loge wartet ER schon auf uns. ob ER uns prüfen will?
nein, für welche sitze in der loge wir karten hätten, denn - so empört ER sich - eine dame sei gekommen, um in unserer loge (4 sitze) platz zu nehmen. wir beruhigen den armen menschen, ja in solch aufreibenden situationen ist auch ER nur ein mensch, es habe wohl seine richtigkeit. wir haben einen sitz in der ersten und einen in der zwieten reihe. ein stein fällt IHM vom herzen und ER wünscht uns erneut einen schönen abend. die dame haben wir nicht zu gesicht bekommen und deswegen frech den zweiten sitz in der ersten reihe auch okkupiert.
kaum ist das stück zuende, stürmen wir in den logenvorraum, ziehen uns in windeseile an, frau wichtelmädchen öffnet die tür einen spalt, schaut sorgfältig nach links und rechts (gogo gadgetoauge) und sagt: "schnell." wir stürmen zur stiege und selbige zwei etagen hinunter, bis wir aufatmen und das theater halbwegs damenhaft verlassen.

maxim gorki: kleinbürger

eigentlich haben frau wichtelmädchen und ich und nur deswegen entschlossen, weil das burgtheater schon die ganze saison nur stücke spielt, die wir schon gesehen haben und wir unter entzugserscheinungen litten. denn bisher hat uns gorkis stück kleinbürger, das schon seit zwei jahren gespielt wird, nicht besonders angezogen, und ich bin mir nicht sicher, ob mich mein instinkt getrogen hat oder nicht.
frau wichtelmädchen hat das stück sehr ergriffen und ich muss gestehen, dass es teilweise atemberaubend treffsicher und aus dem leben gegriffen war, obwohl es schon 107 jahre auf dem buckel hat. menschen, familien und kommunikationsmechanismen ändern sich offenbar nicht. und manche sätze hätte man mitschreiben mögen. dennoch waren die zwei stunden gefühlte vier, weil es zwischendurch nach meinem empfinden sinnleere längen gab. die inszenierung war recht chaotisch. irgendwie hat sogar mich begnadete messie das bedürfnis erfasst, mal aufzuräumen, weil darstellende, unmengen von sesseln und multifunktionale brettkonstruktionen herumgestanden sind und -geschoben wurden, was irgendwie ein unfertiges bild ergab. die schauspielerischen leistungen waren gut und gediegen, nur dietmar könig hat mir nicht gefallen, wahrscheinlich, weil ich sein timbre nicht besonders mag. martin schwab hat gespielt wie martin schwab in jeder rolle spielt, was ja durchaus fein ist und christiane von poelnitz war völlig unterfordert - wohl abgesehen von der eindrucksvollen blutspuckorgie, die sie liefern musste. frau wichtelmädchen bewegte das in anlehnung an den gott des gemetzels zu dem statement: "die arme muss wohl jetzt in jeder rolle speiben."
hervorzuheben ist joachim meyerhoff, der wirklich immer brilliert, egal, was er spielt, und so auch hier. seine auftritte waren den theaterbesuch allemal wert.

schönes gratis 14: überraschungspakete

ist das nicht nett, wenn frau eine freundin hat, die auf ihrem vollsonnigen balkon hingebungsvoll chilis in rauhen mengen züchtet, die sie dann auch einkocht, aber so überhaupt nicht mag?

so wurde mir gestern die überraschung beschert, dass die paketpost mit einem riesenpackerl vor meiner tür stand und ich zuerst dachte, ich solle für irgendwelche nachbarn was übernehmen...
aber die riesenschachtel war an mich höchstpersönlich adressiert und beinhaltet:

chilipaket

14 gläser chilipaste und in essig eingelegte chilis inverschiedenen varianten und schärfegraden sowie zwetschkenkompott mit honig und ein kuvert mit verschiedenen getrockneten chilischoten.
das mag ich! *gg*

Montag, 3. November 2008

samhain und die wiener seele

irgendwie bin ich heuer zu unzentriert und ungeerdet, um samhain zu begehen, obwohl es neben weihnachten/jul das einzige "der" jahresfeste ist, mit dem ich wirklich was anfangen kann. ahnInnenkult íst für mich zu dieser jahreszeit sehr stimmig, aber vielleicht ist allerheiligen und das damit verbundene friedhöfe abklappern auch zu tief in mich hineinerzogen. ich weiß nicht - aber hauptsache, es passt.
also hab ich heuer zu samhain nichts gemacht, außer das grab meiner großeltern besucht. ich war schon lange nicht am friedhof, obwohl ich praktisch ums eck wohne und es hat mich auch überhaupt nicht gefreut. ich hab's schon vom 31. auf den 1. verschoben, wo ich normalerweise nie gehe, weil mir da zu viele leute herumlaufen und ich gerne meine ruhe habe. aber irgendwie hab ich mir am spätesten nachmittag einen tritt in den allerwertesten verpasst und mir gedacht, dass es mir eigentlich wichtig ist, das grab zu besuchen und dass grau-diesige stimmung und ein bisschen wind schon auszuhalten sind und ich mich schließlich warm anziehen kann. umso erstaunter war ich, dass es entgegen dem schein weder kalt noch windig war, sondern angenehm lau.
ich hatte einen richtig feinen herbstspaziergang durch das goldene laub im abendrot - es war direkt kitschig. ich mag es schon gerne, über den friedhof zu spazieren, wenn in fast jeder grablaterne eine kerze leuchtet.

beim verlassen des friedhofs habe ich noch ein gespräch belauscht, bei dem ich mir gedacht habe, dass die wiener seele zu allerheiligen wirklich aufblüht in in ihren abgründen. und zwar konnte ich den friedhof nicht barrierefrei verlassen, weil zwei familien, die eine kommend, die andere gehend, einander im tor getroffen haben und selbstverständlich dort auch stehen geblieben sind um sich zu unterhalten:

a: die xy ist no ned gsturbn, oder?
b: na, die hob i vur a poar dog no gsegn.
a: i woits nur wissn, sonst hätt ma die a glei bsuacht, i hob nämlich no a kerzn.

Dienstag, 30. September 2008

Tag des denkmals

der heurige tag des denkmals stand unter dem motto "kulturimport" und als langjährige fans dieser veranstaltung, die gratisführungen an denkmalgeschützte orte bietet, die man sonst oft nicht in dieser weise besichtigen kann, waren frau katze und ich wieder dabei.

gewaechshaus

als erstes waren wir im belvederegarten bei einer führung zum thema "pflanzenimporte der habsburger".

thermometer

es war schon ein großes aha-erlebnis, dass es im belvedere nicht nur den schlossgarten gibt, sondern auch einen reservegarten, wo hunderte alte, exotische pflanzenarten, die es heute in freier natur oft gar nicht mehr gibt, erhalten werden. und das recht zentral in der stadt, übrigens gleich neben dem botanischen garten, der damit aber nichts zu tun hat, weil er zur uni wien gehört und kein bundesgarten ist. die grundlage der sammlung ist, dass es über die jahrhunderte ein prestigeprojekt für herrscherhäuser war, exotische pflanzen zu importieren und in europa zu kultivieren. die habsburger waren offenbar an vorderster front dabei, und es gab sogar transportglashäuser, wo einzelne pflanzen sozusagen in sänften befördert wurden, damit ihnen nichts passiert. diese vorstellung fasziniert mich.
heute befindet sich die sammlung in einigen gewächshäusern im ehemaligen schlossgemüsegarten. und obwohl ich nach der wahl am sonntag gerade nicht sehr gut auf ö zu sprechen bin, bin ich doch froh, in einem land zu leben, das sich aufwändige liebhabereien leistet und leisten kann, die eigentlich relativ zweckfrei und der öffentlichkeit völlig unbekannt sind, sieht man mal vom palmenhaus in schönbrunn ab.
die führung wurde vom verwalter der wiener bundesgärten abgehalten und abgesehen davon, dass pflanzen auch zu meinen passionen zählen, war es einfach schön, einen menschen zu erleben, der von seiner beruflichen aufgabe so enthusiastisch durchdrungen ist.

ein exemplar aus der bromeliensammlung

bromelie

rarität: eine gelbe erika - ich war völlig hin und weg, wie viele erikarten es gibt und wie vielfältig die blütenformen und -farben sind. dabei wurde immer wieder betont, dass man von allen gattungen keine sorten, sondern nur arten sammle

erika gelb

tillandsien, die man im handel als "lebende steine" bekommt und die keine erde, nur feuchtigkeit brauchen

tillandsien

unsere nächste station war der mandalahof am fleischmarkt. dort wurden auf ein altes, unter denkmalschutz stehendes gebäude drei stockwerke aufgesetzt und das sehr geschmackvoll. die aussicht vom obersten stockwerk ist ob der lage mitten in der innenstadt natürlich ein traum. der architekt und hausbesitzer war jahrzehntelang der präsident der auch im mandalahof angesiedelten buddhistischen gesellschaft und wollte mit diesem neubau ein konzept für spirituelles wohnen entwickeln.

mandalahof

die wohnungen sind eher klein, aber es gibt einiges an gemeinschaftsinfrastruktur, so auch einen meditationsraum, der eigentlich zu einem seminarzentrum gehört, aber von den mieterInnen auch benutzt werden kann. diesen raum fand ich persönlich zwar grässlich, aber geschmäcker sind ja verschieden, und es gefällt mir prinzipiell, dass es so etwas in einem mietshaus gibt. ein interessantes projekt ist der mandalahof auf jeden fall.

nach einem kurzabstecher in die gegenüberliegende griechisch orthodoxe kirche zur hl. dreifaltigkeit, die die ungläubige bevölkerung normalerweise nur ins vestibül vorlässt, ging es wieder zurück in den 3. hieb zur russisch orthodoxen kirche st. nikolaus.

russkirche

auf die war ich gespannt, weil das gebäude von außen so eindrucksvoll ist und m.e. im architektonisch unspektakulären botschaftsviertel und außerdem in unmittlebarer nachbarschaft zu bahngleisen stehend, leicht deplatziert wirkt.

mich persönlich spricht die ästhetik in den innenräumen orthodoxer kirchen nie so richtig an, aber die führung, die von einem der priester geleitet wurde, war sehr interessant, weil er einiges über liturgie und bräuche erzählt hat. das gebäude (aus den 1890ern) beinhaltet eigentlich zwei kirchen, eine im erdgeschoß und eine im ersten stock. letztere wurde erst kürzlich renoviert und mit wandmalereien versehen, weil eine orthodoxe kirche das braucht, wie der priester meinte. wie gesagt, nicht mein geschmack das ganze, aber von der harmonie mit dem gebäude und der vorhandenen einrichtung sicher gelungen. dann hatte ich noch das erlebnis, dass mir das erste mal von einer räucherung schlecht geworden ist. was auch immer da abgefackelt wurde, war von anfang an keine wohltat für meine nase, aber nach einer weile, eh schon am ende der führung, musste ich wirklich rausgehen, sonst wäre es peinlich geworden.

die letzte station am sonntag war die stallburg, weil die pferdeliebhaberin in meinem leben den tag geplant hat (nochmals danke dafür!). *g* leider durfte man lipizzaner und stallungen nicht fotografieren, also gibt's nur eine schüchterne aufnahme von der straße aus durch die glasscheibe.

stallburg

die führung war sehr informativ und man kam sehr nahe an die pferde ran, was für einige teilnehmerinnen bestimmt ein großes highlight war, auch wenn man nicht streicheln durfte. ich war v.a. von der zungenkussähnlichen interaktion zweier hengste (die übrigens alle frauennamen tragen) fasziniert und bin mit der institution hofreitschule wieder ein wenig versöhnt.

am montag gab es noch eine führung durch die französische botschaft am schwarzenbergplatz. wie bei der russischen kirche war uns auch hier das imposante gebäude ein bgriff, weswegen wir auch die interieurs sehen wollten. und wann kommt man dort sonst schon rein? auch dieser ausflug hat sich gelohnt. von außen wirkt das haus eher protzig, innen ist es zwar sehr prächtig, aber eher geschmackvoll und edel im französichen jugendstil gestaltet. nachdem man damals diplomatische vertretungen hauptsächlich zu repräsentationszwecken baute, gab es auch einiges zu sehen. besonders angetan waren frau katze und ich von den schildkrötenvasen im stiegenhaus, was uns daran erinnerte, dass wir eigentlich wieder töpfern gehen wollten. naja... leider hab ich den fotoapparat daheim vergessen. zum abschluss gab es im noblichen speisesaal ebensolche petite fours und wir fühlten uns in jeans und mit rucksack direkt ein wenig fehl am platz, nachdem es uns anfänglich etwas befremdet hatte, dass die anderen terilnehmerInnen alle in der 1er-panier waren, wie man in wien so schön sagt. nur, weil man eine botschaft besichtigt? wir sind dann jedenfalls gleich so, wie wir waren, weiter ins theater ;-)

yasmina reza: ein spanisches stück

ein spansiches stück war das vierte werk rezas, das ich gesehen habe und nachdem ich von den anderen sehr angetan war (s. hier), waren die erwartungen groß und wurden rundum enttäuscht. bisher sah ich als markenzeichen der autorin, ihre themen tiefgehend, psychologisch fundiert und dabei ausgesprochen witzig zu behandeln, wovon in diesem stück nicht die rede sein konnte. eine mutter streitet mit ihren beiden töchern, die untereinander auch streiten und alle sind schauspielerinnen. außerdem gitb es noch eine abwesende dritte tochter sowie den mann einer tochter und den partner der mutter, die aber eher unnötig sind. es wird also zwei stunden mal mehr, mal weniger dramatisch, in der ersten stunde v.a. langweilig gestritten und das war's. da hilft es nicht einmal, dass maria bill zeitweise ihr ganzens temperament in die rolle legt.

das ganze ist auch ein stück im stück. zumindest anfangs wird deutlich gemacht, dass es schauspielerInnen sind, die ein stück spielen. die hinweise werde aber immer weniger unddieser handlungsfaden spielt dann rolle mehr. meine begleiterin, die das drama vor ein paar monaten gelesen hat und es im buch besser fand als auf der bühne, hat das mit einigen zweifeln so interpretiert, dass stück und leben verschmelzen. vielleicht hab ich auch irgendwas essentielles nicht mitgekriegt, aber ich war nicht allein. die interpretation des verhaltenen applauses (schade für die darstellerInnen) sowie der gespräche im publikum fällt eindeutig aus.

ich rate also von dieser vorstellung im volkstheater ab und empfehle allen, die yasmina rezas werk kennenlernen wollen, den gott des gemetzels im burgtheater.

Montag, 29. September 2008

*freu*

kaum ist eine ein paar tage nicht auf blogtour, verpasst sie die schönsten dinge:
die bärin und anja haben diesem blog einen award verliehen

blogaward

und eitel wie ich bin, freu ich mich total draüber, auch weil ich eure blogs auch sehr mag. danke euch beiden!

ihn weiterzuverleihen ist gar nicht so einfach, weil ich die blogs, die ich verlinkt habe, regelmäßig und folglich auch gerne lese, also auszeichnungswert finde.

ich hebe mal hervor:
k.t., weil so viel von ihrer seele in ihren diversen strudeln spürbar ist.

asaaki, weil sein emblog ganz andere themen anspricht als die blogs, die ich sonst lese, und so viele coole links bietet.

bodecea, weil ihr "palaver" mich oft zum weiterdenken anregt, sehr persönlich ist und weil ich ihren stil literarisch so gern mag.

anja, bärin, caroona und endlosfaden, weil sie - sehr unterschiedlich von einander - mit so viel verve und humor aus ihrem leben erzählen, und ich sie beim lesen jeweils vor mir sehen und hören kann.

esme & ryuu, weil ihre blogs so unmittelbar wirken.


Hier die Regeln:
1. Der Blogger kann das Logo auf seinen /auf ihr Blog speichern.

2. Verlinke die Person, von der Du den Award bekommen hast.

3. Nominiere mindestens 7 weitere Blogs.

4. Verlinke diese Blogs mit Deinem

5. Hinterlasse eine Nachricht auf den nominierten Blogs.

Montag, 22. September 2008

das jahr der willendorferin

willendorferin-1

das naturhistorische museum hat das "venusjahr" ausgerufen, weil die dort residierende venus von willendorf vor 100 jahren gefunden wurde, und ihr eine nicht besonders geschmackvoll (s. fotos), aber intensiv beworbene ausstellung gewidmet.

selbige besteht aus drei teilen. im ersten sind neben der willendorferin selber die noch um 7000 jahre ältere frauenfigur venus oder "fanny" vom galgenberg sowie die venus von dolní věstonice und die venus von moravany zu betrachten. ich persönlich fand alle vier sehr eindrucksvoll und bezaubernd anzusehen.
weiters gibt es noch die venus II von willendorf zu sehen, bei der aber viel fantasie nötig ist, um in dem stein eine frauenfigur zu sehen.

willendorferin-2

im dritten teil wurden die felszeichnung in höhlen wie altamira, lascaux u.a. nachgebildet und wirklich sehr nett in "höhlenatmosphäre" präsentiert.
der schwachpunkt der schau ist der zweite teil über die steinzeit allgemein, der abgesehen von ein paar nett, wenn auch unbequem anzusehenden filmen allerlei objekte aus der hauseigenen sammlung im klassischer nhm-ästhetik, also sehr wissenschaftlich ohne wesentlich erläuterungen in uralt-vitrinen präsentiert.

dennoch: unbedingt anschauen! die vier veneres allein lohnen den besuch.

Queerbeets bunte Blüten

Life is not a problem to be solved but a mystery to be lived.


wm3

Wer wandelt durch den Garten?

Du bist nicht angemeldet.

BesucherInnen

danke, bärin! beruhigend...
danke, bärin! beruhigend wirkt das stück nicht auf...
queerbeet - 4. Okt, 22:59
Ich habe da so ein Stück...
...Repertoire, das heißt "Coincidence". *gg* Hier...
baerin - 27. Sep, 19:48
Glück gehabt
Manchmal kann Frau ihr Glück nicht fassen. Boah... Schön...
Briganti - 7. Aug, 19:00
Hihi
...ja der schlaflosen.... nicht so schön dann... P.S.:das...
Amanleian (Gast) - 6. Aug, 01:07

queerbeet unterwegs

sehr hübsch. wenn die...
sehr hübsch. wenn die klebertropfen gut halten, sind...
distel - 12. Okt, 10:16
hi distel! danke für...
hi distel! danke für die podcastfolge. wo auch immer...
distel - 10. Jul, 19:28
ich hatte gerade eine...
ich hatte gerade eine beinahe-stunde lang sehr viel...
distel - 3. Jul, 01:28
für eben mal schnell...
für eben mal schnell war das aber ganz schön gehaltvoll... mich...
distel - 28. Mai, 19:17
ich sehe, du hast die...
ich sehe, du hast die carousel-socken auf er liste....
distel - 27. Mai, 19:22

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